Von Menschen und Mollusken.
Eigentlich gehört es ja in den Translations - Blog, aber Übersetzen ist eben auch ein Teil davon, was ich so mache und daher stelle ich es mal hier in die "Tagebuchabteilung". Heute habe ich nämlich die letzte Übersetzung für meinen englischen Fernlehr-Übersetzungskurs angefertigt - ein Fachtext über die Rolle von primitiven Meereslebewesen in der Erforschung medizinischen Wissens über den Menschen. Aber lest selbst.Ach übrigens, ich wäre für Verbesserungsvorschläge bezüglich deutscher Formulierung dankbar. Wenn ihr etwas wisst, bitte als Kommentar posten! :-)
Von Menschen und Mollusken.
Nur wenigen Menschen ist es bewusst, dass die Erforschung einfacher Meeresorganismen zu einigen der größten medizinischen Entwicklungen weltweit geführt hat. Studien über Seeigel haben zum Beispiel die wissenschaftliche Grundlage für reproduktive Technologien wie der künstlichen Befruchtung gelegt und grundlegende Erkenntnisse darüber, wie sich Tiere reproduzieren, wie der Körper Krankheiten bekämpft, wie die Sinnesorgane Informationen aufnehmen und wie das Gehirn diese Informationen verarbeitet, wurden gemacht, indem man Meerestiere beobachtete – und zwar deshalb, weil diese als Grundmodelle für komplexere Organismen dienen können.
Dr. Norman Wainwright erforscht Pfeilschwanzkrebse im Woods Hole Marine Biological Laboratory in Massachusetts in den USA. Pfeilschwanzkrebse sind aus mehreren Gründen bedeutsam für Wissenschaftler: als primitive Verwandte der Spinne sind sie Arachnoiden und keine Krustentiere, für wirbellose Tiere sind sie extrem groß und einfach zu handhaben, doch das Wichtigste ist, dass ihre Systeme extrem primitiv sind. Pfeilschwanzkrebse sind auch als „lebende Fossilien“ bekannt und haben seit der Zeit der Dinosaurier, also seit 250 Millionen Jahren, keine grundlegenden Veränderungen durchgemacht.
„Die Blutkörperchen von Pfeilschwanzkrebsen verhalten sich wie ein primitives Immunsystem“, erklärt Dr. Wainwright. „Wie alle Wirbellosen können sie keine Antikörper erzeugen, die wie jene der Menschen auf bestimmte mikrobische Eindringlinge reagieren. Stattdessen verfügen sie über etwas, das man als „angeborene“ oder „natürliche“ Immunität bezeichnet. Ihre Blutkörperchen sind dazu ausgestattet, schnell, also innerhalb von Minuten auf Bedrohungen allgemeiner Art zu reagieren. Im Gegensatz dazu haben Menschen eine „erworbene“ oder „spezifische“ Immunität. Unsere Zellen identifizieren die spezifische Natur der Bedrohung und erzeugen genau solche Antikörper, wie sie zur Bekämpfung der Bedrohung benötigt werden. Das Problem dabei ist, dass es Wochen bis zur Erzeugung der notwendigen Antikörper dauern kann und bis dahin fühlen wir uns krank.“
Ein gutes Beispiel ist das Lipopolysaccharidmolekül (LPS), welches in bestimmten Bakterienarten vorkommt und bei Menschen Fieber hervorruft. Das Blut der Pfeilschwanzkrebse entdeckt die unbekannten LPS-Moleküle und eine Kettenreaktion von Enzymreaktionen beginnt, bei der jede Reaktion die nächste auslöst. Die Enzyme sind allesamt Peptidasen, welche Proteine schrittweise in kleinere Aminosäuren zerlegen. „Das letzte Enzym spaltet ein Protein und dadurch wird ein Gerinnen des Blutes hervorgerrufen“, so Wainwright. „Dadurch wird die Wunde verschlossen und sämtliche eindringende Mikroben werden abgefangen.“
Sobald die Wissenschaftler verstanden hatten, wie dieses System funktioniert, waren sie in der Lage, einen auf der Sensitivität dieses Vorganges basierenden Test zur Feststellung winzigster Mengen von mikrobischem LPS zu entwickeln. Alle Hersteller von Injektionsmedikamenten und medizinischen Geräten verwenden heutzutage diesen Test, um festzustellen, ob ihre Produkte mikrobisch verunreinigt sind.
Wissenschaftler hoffen, dass es ihnen gelingen wird, durch das Erlangen eines Verständnisses für die Lebensvorgänge von Meereslebewesen und dafür, wie ihre Systeme reagieren, wenn die Dinge schief laufen, auch weiterhin wichtige Entdeckungen zu machen, die für bessere Chancen zur Findung von Heilmitteln für schwere Erkrankungen wie Krebs oder Aids sorgen könnten. „In Meeresorganismen gibt es noch viele bioaktive Körper zu erforschen, aber es werden laufend Fortschritte erzielt“, so Wainwright.
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